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20. Juni 2015

Verdrängung

Oder
Wie ich mir selbst im Weg stehe und es immer wieder schaffe mich unglücklich zu machen.

Es ist das erste Mal das es mir schwer fällt hier zu schreiben. Weil meine Gedanken heute nicht ausreichen um es "künstlerich" (mir fällt kein passenderer Ausdruck für  meinen Schreibstil ein) auszudrücken und ich weiß das ihr irgendwie still mitlest. Neonrot hat Recht, es hemmt irgendwie weil die graue Masse ein Gesicht bekommt. Und Gesichter können grausame Fratzen sein. Nicht das ihr welche habt aber ein Gesicht ist etwas anderes als ein leeres Blatt 'Papier'
Heute fällt es mir schwer weil ich mich selber ein Stück analysiere mit diesem Text.

Ich bin wütend und enttäuscht von mir. und diese ganze Situation ist so dumm, und hätte mit so einfachen Mitteln umgangen werden können aber nein! Mein Kopf ist mein Kopf ist mein Kopf und lässt manchmal nicht zu das ich wie ein vernünftiger Mensch handel.
Ich habe mal vier Semester Wirtschaftsrecht "studiert" aber eigentlich hatte ich eine Auszeit. Das Studium hatte ich nur für und wegen meines Exfreundes angefangen und als wir uns trennten ging ich nie wieder hin. Ich war alibimäßig eingeschrieben aber die Zeit verbrachte ich mit Viel Alkohol, Sex und der Suche nach mir Selbst. Ich bezahlte keine Studienbeiträge mehr, wurde exmatrikuliert und bekam auch kein Bafög mehr. Das ich das Geld zurück geben musste war mir klar, irgendwann. Damit sollte sich mein zukünftiges Ich beschäftigen, das Erwachsene. Das Ich, das weiß was zu tun ist und es auch zum richtigen Zeitpunkt in angemessener Weise erledigt.
Die Wahrheit ist dass es dieses Ich nicht gibt. Es gibt leider nur eine völlig überforderte kindliche Version meiner Selbst , die unfähig ist in dieser Welt zu bestehen. Als die ersten Briefe kamen war ich schwanger und versteckte sie weil ich dachte, wenn der nächste Brief käme hätte ich eine Lösung. Hatte ich nicht und so wurden es mehr und mehr. Ich hatte versucht die Realität auszublenden. Schließlich musste ich zugeben nicht damit fertig zu werden. Die Fragen warum ich solange gewartet hatte, konnte ich nicht beantworten. Schlimmer als die scharfen Worte war das mein Mann alles mit nur einem einzigen Brief erledigte. Die Stundung ist vorherigen Monat abgelaufen, und heute kam die Mahnung. Ich habe das getan was ich immer tue, ich habe ihn erfolglos ignoriert.
Ich habe die letzten Monate ignoriert das die Zahlung kommen wird, habe ignoriert das ich diese nicht zahlen kann und habe auch ignoriert das wir uns unmöglich die Rückzahlung und unsere Hochzeit leisten können. Ich bin gut darin, ich bin sogar richtig gut in Verdrängung. Das hat mich all die Jahre überleben lassen. Hat mich durch meine Kindheit gebracht, meine Teenagertage, in den dunkelsten Stunden hat es mir geholfen, hat mich an Menschen glauben lassen, an Liebe...Es hat mich vor seelischen Schmerzen bewahrt, hat irgendwie Sinn gehabt . Nur für mein erwachsenes Ich macht es alles nur schlimmer. Ich kann nicht so tun als gäbe es die Realität nicht. Auch wenn diese Verhaltensweise jahrelang geklappt hat, heute passt sie nicht mehr. Die Denkweise ist kindisch und bringt mich immer wieder in ernste Schwierigkeiten.

Wie ändert man Gewohnheiten?
In der Psychologie gibt es, diesen Spruch zur Verhaltensänderung:
Erst wenn der Leidensdruck groß genug ist, ist auch die Motivation groß genug etwas zu ändern.

Irgendwie hofft ein Teil von mir, dass sich das alles von alleine regelt. Irgendwer kommt bestimmt und 'rettet' mich. Irgendwie muss es doch zu schaffen sein... Ich könnt meine Eltern fragen ob sie mir aushelfen aber sie werden es nicht haben, selbst wenn sie wollten könnten sie mir gar nicht das Geld geben... Ich muss erwachsen sein und die Konsequenzen für mein Handeln tragen, ich muss was ändern. Das bedeutet ich werde in sechs Wochen nicht vor den Altar treten. Ich werde unsere Hochzeit absagen müssen weil es nicht anders geht. Weil mir keine Lösung einfällt. Erwachsene Entscheidungen zu treffen tut scheiße weh. Ich kann gar nicht mehr aufhören zu weinen bei dem Gedanken und allein die Vorstellung erklären zu müssen warum sie nicht stattfinden wird, ist so beschämend.
Ich will da nicht dran denken (deshalb hab ich ja den Salat), mich macht so traurig. Nicht nur das ich nicht kirchlich heiraten werde sondern das ich selber Schuld daran bin. Ich hab es mir selbst zuzuschreiben. Weil ich bin wie ich bin, bin ich jetzt in dieser Situation. Das ist scheiße. So richtig scheiße.Ich bin enttäuscht, wütend und unendlich traurig...deshalb fällt es mir schwer heute zu schreiben.

13. Juni 2015

Das Poesiealbum

Als Kind besaß ich ein Poesiealbum. Ein kleines Buch, mit unlinierten Seiten und jeder dem ich es gab durfte etwas hinein schreiben.
Ich gab es all meinen Freundinnen und Klassenkameradinnen und selbst meiner Grundschullehrerin. Alle hatten irgendetwas liebes und persönliches hinein geschrieben und gemalt. Meiner Mutter gab ich es auch und hoffte insgeheim sie würde mir auch etwas in der Art schreiben. Etwas Liebes über uns, etwas persönliches, etwas das ich schriftlich hatte. Schwarz auf Weiß wie sehr sie mich liebt.
Ich erinnere mich noch an die geschwungenen Worte aus blauer Tinte.
Es war ein Zitat.
Man muss nicht nur wollen, man muss es auch tun. 
Ich weiß gar nicht ob ich wütend oder traurig war, aber damit war der Zauber des Poesiealbums vorbei und ich verlor die Interesse daran.

12. Juni 2015

In mir ist eine ganze Welt


Gestern war ich nach einer Ewigkeit in einem kleinen Buchladen. Wirklich klein, vielleicht so groß wie unser Wohnzimmer und hinter dem Thresen eine ebenso kleine Buchhändlerin. Unscheinbar- bis sie sprach!. Über Autoren, Literatur und Bücher. Sie hat mich mitgerissen, war so unbeschreiblich leidenschaftlich in ihren Erzählungen über das was geschieht wen man ein wirklich gutes Buch in den Händen hält... Und ich liebe es Menschen zuzuhören, die so erfüllt sind von dem was sie lieben. Selbst wenn ich nichts verstehe, verstehe ich doch diese Hingabe.

Ich liebe es zu lesen, zu schreiben und zeichnen aber das tue ich viel mehr für mich. Wie gern würde ich Menschen mit einem Teil von mir inspirien, erreichen, so wie die kleine unscheinbare Buchhändlerin, mein Herz gestern berührt hat.
Wie gern würde ich ein Buch schreiben... Aber die Angst das niemand sich für meine Gedanken und Gefühle interessiert ist zu groß. Wer würde es schon lesen wollen? In meinem Kopf sind diese rießigen, bunten Bilder, Ideen von Welten und Farben und vielleicht will ich nicht das jemand kommt und mir sagt das sie langweilig und grau sind. Das ist mir, meine innere Welt, meine Fantasie.

Und doch, ein klitzekleiner Teil ganz weit hinten vergraben unter Zweifeln, sagt mir das es schön wäre, all das raus zu lassen. Die Menschen teilhaben zu lassen, an all dem unausgesprochenen Fantasien.
Irgendwo tief in mir das Wissen es zu schaffen, das es nicht grau und klein sondern so wunderbar ist wie ich es empfinde. Und niemand der lächelnd von Verrücktheit spricht... Sondern von Begabung Dingen Größe zu verleihen.